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05.02.06 22:40

Marakesch-Marathon

Von: Silvia Leupold

Samstag, 29.01.2006, pünktlich 9:00 Uhr startet auf der Avenue MohammedVI. der 17. Marrakech Marathon und Halbmarathon. Das Wetter ist im Gegensatz zu den vorherigen Tagen wunderschön, strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und Temperaturen um die 12° C. Hinter uns liegt das berühmte Wahrzeichen der Stadt, die Koutoubia-Moschee und auf der linken Seite sehen wir die majestätisch aufragenden, verschneiten Gipfel des Hohen Atlas. Der Tross von ca. 450 Marathonis und ca. 1000 Halbmarathonis setzt sich langsam in Bewegung. Nach einigen Kilometern auf der breiten Avenue erreichen wir die Menara Gärten, eine gepflegte Anlage mit  Olivenpflanzungen die den Menara-Pavillon und das davorgelegene Wasserbecken malerisch umsäumen. Es läuft wunderbar, ich genieße die herrliche Umgebung und schaue mir die Mitläufer in meinem Umfeld genauer an. Royal Air Maroc, Les 1000 Pattes oder Normandie Marathon 2004 lese ich auf den Laufshirts. Jetzt geht es an der im 12. Jahrhundert erbauten Stadtmauer entlang, vorbei am königlichen Golfplatz und den herrlich grünen Jardins de L’Agdal. Die für uns teilweise abgesperrten Strassen werden gesäumt von Kindern, die klatschen, jubeln, schreien aber auch betteln und uns unsere Trinkflaschen am liebsten aus den Händen reißen möchten. Entlang der Strecke wachsen hier riesige Palmen, Olivenbäume und Orangenbäume mit herrliche duftenden  Früchten.  Ungefähr nach der Hälfte der Strecke laufen wir in die Souks durch die Gerbereien und Lederfärbereien. Hier riecht es eigenartig und es herrscht geschäftiges Treiben. Reger Verkehr, bestehend aus Esel-Karren, laut knatternden Mopeds und hupenden Autos, sorgt ebenfalls für dicke Luft und ich merke, dass das Laufen mir immer schwerer fällt. Ein Blick auf die Uhr bestätigt mir, dass dies heute keine gute Laufzeit mehr werden kann und so beschließe ich, den Lauf in dieser wirklich ungewöhnlichen Metropole mit allen Sinnen zu genießen. Ich warte jetzt sehnsüchtig auf die Verpflegungsstation bei  Kilometer 25 und werde herb enttäuscht, denn alles was ich dort vorfinde, ist eine kleine Schachtel mit Würfelzucker. Danach steht mir jetzt wirklich nicht der Sinn und so setze ich mich hungrig wieder in Bewegung. Beim Überholen spricht mich ein junger Amerikaner an, er ist begeistert von Marrakech und fragt mich wo ich herkomme. Als ich  „from Germany“ erwidere, fällt ihm spontan sofort „ Ballack“ ein und ich muss herzlich lachen. Wir haben jetzt Kilometer 30 passiert und es geht richtig schwer. Die alte Läuferweisheit, dass jetzt der Marathon erst beginnt, kommt mir in den Sinn und ich versuche mich durch intensives Beobachten der Umgebung und der Menschen abzulenken. Wir laufen jetzt auf großen, verkehrsreichen Strassen und beim Passieren einer Tankstelle sehe ich, dass ein Auto lichterloh brennt. Es stinkt höllisch, ich habe Angst, dass es explodieren könnte und lege mit letzter Kraft einen Schritt zu. Die Strassen sind hier nicht für den Marathon gesperrt, ich kann weit und breit keinen weiteren Läufer sehen und komme mir ziemlich verlassen vor. Bin ich überhaupt noch auf der richtigen Strecke? Panisch renne ich mitten über eine Kreuzung auf einen Polizisten zu und frage nach dem Weg. Der weist mir die Richtung und nach einigen Kilometern sehe ich endlich am Horizont wieder die verschneiten Berge des Atlas-Gebirges vor mir. Ein sicheres Zeichen, dass dies die letzten Kilometer sind. Auf der Zielgeraden sehe ich schon von weitem Ralf winken und ich bin froh, diesen Lauf gut und wohlbehalten zu Ende gebracht zu haben. Nach 4 Stunden und 10 Minuten überquere ich die Ziellinie mit herrlichem Blick auf das Minarett der Koutoubia Moschee und die Stadtmauer. Sicher, ich bin schon deutlich bessere Marathonzeiten gelaufen, aber dieser Lauf wird mir als der ungewöhnlichste, exotischste und emotionalste in Erinnerung bleiben.

Silvia Leupold

 




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